In diesem Teil stellen wir die Installation fertig und wollen uns die Konfigurationen der einzelnen LAMP-Komponenten mal anschauen. Außerdem installieren wir gleich zu Beginn eine rudimentäre Benutzeroberfläche.

Erstes Update ausführen

Wau, wir sind schon mächtig weit gekommen. Wie ihr beim Login-Screen sehen könnt, wird der Ubuntu-Server standardmäßig ohne grafische Oberfläche ausgeliefert. Das bedeutet, alle Aktionen, die wir tun, müssen wir per Konsole erledigen.

Loggt euch mit eurem Benutzernamen ein. Ihr werdet folgenden (oder einen ähnlichen) Text sehen:

Login

Zu allererst, was sagt uns der Begrüßungsbildschirm?

System load

Diese Angabe gibt uns die aktuelle Auslastung des Systems wieder. Gehen wir von einem Server mit 1 CPU aus (und diesen Zustand haben wir ja in unserem Beispiel), dann würde ein Wert von 1 bedeuten, dass genau 1 Prozess auf den CPU Run Thread warten muss. Hier in meinem Screenshot also ist alles in Ordnung. Wer genauere Informationen haben will, findet diese hier.

Usage of /

Wer von der Windows-Welt kommt, wird hier umdenken müssen. Es gibt keine Laufwerksbuchstaben wie C: oder D:, bei Linux gibt es nur ein Wurzelverzeichnis, und das ist "/". Hier wird also angezeigt, wieviel Speicher in Gebrauch ist und wieviel noch frei ist.

Memory usage / Swap usage

Memory-Usage gibt an, zu wieviel Prozent der Arbeitsspeicher im Moment gefüllt. Wer in Teil 2 aufmerksam gelesen hat weiß, dass sobald der Arbeitsspeicher komplett gefüllt ist, Linux dann in den Swap auslagert. Auch hier sieht alles im Moment tippitoppi aus.

Processes

Simpel gesagt, die Anzahl der Prozesse, die aktuell gestartet sind.

Users logged in

Linux ist ein echtes Mehrbenutzersystem. Hier wird die aktuell eingeloggter User angezeigt.

IP Adress from eth0

Das ist die IP Adresse, die der Server vom DHCP bekommen hat. Da wir uns ja in einer virtuellen Maschine befinden, sieht diese so aus. Später konfigurieren wir die VM noch entsprechend um, damit wir mit dem Host (unserem PC) darauf zugreifen können.

Oha, für 97 Pakete gibt es Updates und 64 davon sind Sicherheitsupdates! Dann wollen wir uns mal daran machen und das Update ausführen.

System aktualisieren

Um das System zu aktualisieren, geht man in der Regel so vor:

Zuerst tippt man den Befehl

sudo apt-get update

ein. Mit diesem Befehl liest das Betriebssystem die neuesten Informationen der Pakete ein. Zur Erklärung der einzelnen Befehlsteile:

sudo : Das ist die Abkürzung für "Super User do" und bedeutet etwa, das der jetzige Befehl mit root (also Administrator)-Rechten ausgeführt werden soll. Linux hat hier ein sehr striktes und klar strukturiertes Sicherheitskonzept.

apt-get: Das ist der Paketmanager von Ubuntu. Mit ihm kann man Software installieren, deinstallieren, updaten und noch vieles mehr. Diesen Kumpel werden wir noch einige Male benutzen.

update: Das ist ein Parameter, der zu apt-get gehört

Danach geht es weiter mit:

sudo apt-get upgrade

sudo apt-get dist-upgrade

Hiermit werden alle Pakete des Systems aktualisiert und eventuelle neue Pakete nachinstalliert, sofern diese nun nötig sind (aufgrund von Abhängigkeiten). Nach dem Betätigen der Return-Taste wird euch aufgelistet, welche Änderungen vorgenommen werden und wieviel Speicherplatz verbraucht wird. Bestätigt mit "j". Nun wird das System aktualisiert. Es folgt ein "Aufräumjob" um - ganz der schwäbischen Sparmentalität zu entsprechen - Speicherplatz freizugeben

sudo apt-get autoclean

Das System ist nun auf dem aktuellen Stand! Weiter gehts!

Minimale grafische Oberfläche installieren

So schön es ja auch sein mag, in einer kontrastreichen, minimalistischen Umgebung wie wild Befehle einzutippen, ist es dennoch manchmal gut, eine kleine grafische Oberfläche zu haben, auf die man in bestimmten Situationen zurückgreifen kann. Die installieren wir uns so:

sudo apt-get install xorg gnome-core gnome-system-tools gnome-app-install

Alle Befehlsteile sind uns schon bekannt. Die einzelnen Parameter nach "install" sind die Paketnamen:

xorg: Das ist der XServer, der uns ermöglicht, grafische Oberflächen auszuführen. Nähere Informationen zum X Window System findet ihr auf der Seite von Wikipedia

gnome-core, gnome-system-tools und gnome-app-install: Das ist die von Ubuntu bekannte Oberfläche, nur abgespeckt. Auf einem Server benötigt man keine hochauflösende animierte Oberfläche. Hier muss auf Ressourcen geachtet werden (Admins geben nicht so viel auf schöne Grafik ;))

Nachdem die Installation abgeschlossen ist, könnt ihr euren selbst installierten Desktop mit dem Befehl

startx

starten und - nach einiger Wartezeit - bewundern:

VM Gasterweiterung installieren

Die Gasterweiterung von VirtualBox ermöglicht es, die Auflösung des Gastsystems stufenlos zu ändern. Ausserdem agiert die Maus automatisch in der virtuellen Maschine, sobald wir in das Fenster fahren.

Die Erweiterungen werden so installiert:

Nun müsst ihr im folgenden Dialog wieder euer Passwort eingeben. Dann sind die Installationsdateien eingehängt. Ubuntu erkennt sogar, dass sich auf dem Medium ausführbare Dateien befinden. Auch hier klicken wir auf "Run". Nun werden die Erweiterungen installiert. Sobald die Installation beendet ist, drückt Enter und ihr seid wieder auf dem Desktop.

Jetzt müssen wir neustarten. Klickt dazu auf das Power-Symbol rechts oben und auf das selbe Symbol im neu aufgegangenen Dialog und wählt neustarten aus. Da wir hier ein Serverbetriebssystem haben und Server in der Regel nur aus bestimmten Gründen neugestartet werden, müsst ihr auch diesen Befehl mit eurem Passwort quittieren. Nach einem Neustart könnt ihr euch in der grafischen Oberfläche neu einloggen und ihr bemerkt bereits, dass das Fenster nun wesentlich größer ist. Ihr könnt es nun verändern wie ihr wollt, der Desktop von Ubuntu wird sich immer anpassen.

Ubuntu Server hochfahren in der Konsole: Grub Konfig bearbeiten

Nun würden wir bei jedem Neustart des Servers in der grafischen Oberfläche landen - und das wollen wir nicht, denn diese verbraucht unnötig Ressourcen. Diese sollen später lieber dem Webserver zur Verfügung stehen. Zunächst brauchen wir wieder ein Terminal. Klickt auf "Aktivitäten" und gebt in das Suchfeld "Terminal" ein.

Mit einem Klick auf "Terminal" öffnet sich ein neues weißes Fenster, ähnlich der Konsole. Wir öffnen die Konfigurationsdatei des XServers mit dem Editor namens "nano" mit folgendem Befehl:

sudo nano /etc/default/grub

Und ändert den Wert von "GROUP_CMDLINE_LINUX_DEFAULT" zu "TEXT":

Speichert das Dokument mit der Tastenkombination STRG+O und schließt es anschließend mit STRG+X.

Jetzt muss Grub die neue Konfiguration annehmen. Also lesen wir diese neu ein mit dem Befehl

sudo update-grub

Jetzt starten wir wieder wie gewohnt in die Kommandozeile. Startet das System also neu:

sudo shutdown -r 0

Installation von phpmyadmin und FTP

Alle unsere LAMP-Komponenten sind vollständig installiert, nur damit arbeiten wäre noch sehr umständlich. Darum installieren wir noch phpmyadmin, einer grafischen Weboberfläche für die Verwaltung des MySQL-Servers. Dies tun wir mit dem (inzwischen bekannten) Befehl

sudo apt-get install phpmyadmin

Bei der Installation werden wir gefragt, welcher Webserver installiert ist, damit phpmyadmin richtig konfiguriert wird. Wir wählen hier "Apache2" aus (Leertaste für ein Sternchen) und bestätigen mit Enter.

Auch bestätigen wir die Konfiguration mit "dbconfig-common" mit der Entertaste. Jetzt werden wir nach dem Passwort gefragt, dass wir bei der Installation des LAMP-Servers beim MySQL-Teil eingegeben haben. Dann ist phpmyadmin erfolgreich mit MySQL verknüpft. Danach könnt ihr für die Anmeldung an phpmyadmin ebenfalls ein Passwort vergeben. Hier kann man das selbe wie für MySQL nehmen.

Glückwunsch! phpmyadmin ist nun erfolgreich installiert! Nun kümmern wir uns noch um den FTP Zugang. Das sogenannte "File Transfer Protocol" ermöglicht es uns nachher einfach mit zum Beispiel "FileZilla" Daten auf den Webserver zu übertragen.

Einen entsprechenden Dienst installieren wir mit

sudo apt-get install vsftpd

Nach der Installation bearbeiten wir nun die Konfiguration. Öffnet die entsprechende Datei mit

sudo nano /etc/vsftpd.conf

Bei folgender Zeile muss die "#" entfernt werden:

  • write_enable=YES >> Wir wollen per FTP ja auch schreiben!

Speichert mit STRG+O und schließt mit STRG+X

Damit ist auch der FTP-Server eingerichtet!

Rechte des Webserververzeichnisses ändern

Es fehlt noch ein kleiner Teil. Euer User hat nämlich noch keine Schreibrechte auf dem Verzeichnis des Webservers. Das bedeutet, ihr könnt im Moment noch keine Dateien auf den Server laden, die der Webserver dann anzeigt. Dann wollen wir das mal schnell ändern. Das Verzeichnis, in dem alle Dateien des Webservers liegen lautet "/var/www/html". Um die Rechte entsprechend zu ändern, setzen wir folgenden Befehl ab:

sudo chmod 777 /var/www/ -R

Jetzt könnt ihr auch in diesem Ordner mit eurem Benutzer schreiben.

Den Webserver von eurem PC aus verfügbar machen

Der große Moment ist gekommen! Um den Webserver letztendlich verfügbar zu machen, müsst ihr in den Netzwerkeinstellungen von VirtualBox noch eine Änderung vornehmen. Geht dazu in das Menü "Maschine" > "Ändern".

Hier setzt ihr unter "Angeschlossen an" den Punkt "Host-only Adapter". Nun ist eure Maschine nur über eurem PC erreichbar. Wir wissen aber noch nicht die IP-Adresse. Das ist aber schnell zu ändern.

Habt ihr diese Änderung während der Server lief durchgeführt, wird es nun Zeit für einen Neustart mit

sudo shutdown -r 0

Danach loggt ihr euch mit eurem Benutzer ein und setzt den Befehl

ifconfig

ab. Ihr bekommt folgende Ausgabe:

Unter eth0, Abschnitt "inet Adresse" steht eure IP. In meinem Fall ist das die 192.168.56.101.

Macht euch den Spass und gebt diese in euren Browser in die Adresszeile ein. Ihr solltet nun einen Willkommensbildschirm des Apache Webservers sehen!

Unter "192.168.56.101/phpmyadmin" könnt ihr ab sofort eure MySQL Datenbanken verwalten!

Und über einen FTP-Client wie zum Beispiel FileZilla oder TotalCommander könnt ihr euch mit dieser IP und eurem Benutzer einloggen und Dateien bequem hochladen. Und das superschnell.

Und das war es! In Zukunft müsst ihr nur noch diese virtuelle Maschine hochfahren, damit eurer Webserver für eure Homepages verfügbar ist. Ihr braucht euch in der Maschine nicht einloggen, alle LAMP-Komponenten starten beim Bootvorgang voll automatisch.

Ich hoffe, dieses Tutorial hat euch gefallen! Schreibt in die Kommentare, wenn ihr noch Verbesserungen kennt oder euch etwas fehlt oder nicht klappt!